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04.10.2015, 18:17 Uhr
Pflegegipfel in St. Verena
Wolfgang Reuther: Wir müssen jetzt das Pflegesystem zukunftssicher machen
 

In großer Runde wurde im Pflegezentrum St. Verena in Rielasingen-Worblingen über die aktuelle Situation des Pflegesystems in Baden-Württemberg diskutiert. Fachpolitiker, Experten und Pflegekräfte berieten darüber, wie man die Pflege zukunftssicher und bedarfsgerecht gestalten kann.

 

Eingeladen hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Reuther, der zu Beginn auf die große Relevanz des Themas hinwies: „Früher oder später werden wir alle mit der Frage konfrontiert sein, wie Hilfe und Pflege für uns selbst oder für Angehörige organisiert werden kann.“ Der Landtag habe hierzu deshalb 2014 eine Enquete-Kommission ins Leben gerufen, deren Vorsitzender Helmut Walter Rüeck MdL gemeinsam mit Reuther nach Rielasingen gekommen war. Als Experte auf dem Podium saß außerdem Andreas Hoffmann. Der ehemalige Konstanzer Landtagsabgeordnete ist heute Vorstand des Caritas-Verbandes im Landkreis und beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie eine nachhaltige Pflegepolitik aussehen kann. Über die konkreten Herausforderungen und Erfahrungen im Pflegealltag wusste die Heimleiterin des Pflegezentrums St. Verena, Gisela Meßmer, kompetent zu berichten: Pro Pflegekraft in der ambulanten Pflege entfallen im Durchschnitt zwischen 15 - 35 Patienten pro Schicht. Diese Zahlen machten den zahlreichen Zuhörern den Handlungsdruck anschaulich. 70 % der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt so Meßmer. Oftmals jedoch sei die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen hier schwierig. Seit Jahren werden die steigenden Kosten nicht mehr ausreichend von den Kassen finanziert. So dauere es häufig zu lange, bis die Kostenübernahme zugesichert sei. Für die ambulante Palliativpflege, die in 15 Minuten nicht zu machen sei, werde nicht gezahlt.

Zu wenige Fachkräfte, zu hoher Bürokratieaufwand und zu wenig effiziente Mittelverteilung im System wurden von den Diskussionsteilnehmern als Hauptprobleme ausgemacht und diskutiert. Zum Beispiel, ob der Fachkräftemangel durch die Flüchtlinge ausgeglichen werden könne. Darüber bestand große Skepsis. Die mangelnden Sprachkenntnisse und wenig Kenntnis des Berufsbildes seien hier ein nicht zu unterschätzendes Problem.

Kritik wurde auch an der rigiden Umsetzung der Landesheimbauverordnung bei der Umgestaltung bestehender Pflegeheime auf die Ausstattung mit Einzelzimmern durch die Landesregierung geübt. Hierdurch wären zahlreiche Pflegeplätze gefährdet, was wir uns bei der derzeitigen Nachfrage nicht leisten können. Alle Beteiligten waren der Ansicht, dass es immer wichtiger wird, die Pflegenden zu pflegen, damit diese sich auch weiterhin mit großem persönlichen Einsatz und Hingabe der pflegerischen Aufgabe widmen werden

Nach einer intensiven Auseinandersetzung und zahlreichen Schilderungen aus der Praxis war allen Anwesenden die Dimension des Problems bewusst. Wolfgang Reuther und Helmut Walter Rüeck werden viele Eindrücke mit nach Stuttgart nehmen können. Die Politik muss jetzt die richtigen Weichen stellen.